Bleisure/Blended Travel gilt als wichtiger Zukunftstrend für die Arbeits- und Reisewelt. Die neue Plattform Blend_it! möchte dieses Thema professionell mit voranbringen. Wir sprachen mit den Initiatoren Jens Schließmann, Geschäftsführer des Geschäftsreiseverbands VDR, und Matthias Schultze, Geschäftsführer des GCB German Convention Bureau e.V.
Jens, Matthias, wie kam es zu Eurer Zusammenarbeit, und warum gerade zu diesem Thema?
Matthias: Mit dem VDR verbindet uns das ganze Öko-System zwischen der Nachfrageseite durch die Travel Manager bis hin zur Angebotsseite. Wir haben zusammen festgestellt, dass es – bis auf den Bleisure Traveller als journalistisches Medium – keine Heimat für das Thema Blended bzw. Bleisure Travel gibt. Deshalb ist die neue Initiative entstanden, und die Kooperation mit Eurem Magazin.
Jens: Der Geschäftsreisende ist unser gemeinsamer Nenner, und wir betrachten die Verbindung von Geschäfts- und Privatreisen als wichtigen Trend. Bleisure klingt aber zu sehr wie Leisure, was bei vielen Unternehmen den Eindruck erzeugt, es würde darum gehen, dass die Mitarbeitenden Urlaub machen statt zu arbeiten. Der Ausgangspunkt ist aber die Geschäftsreise. Um dies zu betonen, haben wir den Begriff Blended Travel gewählt.
Was sind die Ziele, auch international?
Jens: Ob HR-Abteilungen und Travel Management, die Geschäftsreisenden selbst, Anbieter im Bereich Mobilität, Hotel- und Gastgewerbe, Destinationen, die Wissenschaft, aber auch die Politik – auf der Plattform sollen sich alle zusammenfinden können, die mit dem Thema zu tun haben und sich gemeinsam austauschen wollen. Denn für Travel Manager z. B. bedeutet das Thema Bleisure und Workation Arbeit, indem sie Rahmenbedingungen schaffen müssen, während Mitarbeitende eine Wunsch- und Erwartungshaltung mit dem Thema dazu entwickeln. Beim ersten Summit am 14./15. Juli 2026 in Frankfurt wollen wir unsere Auftakt-Studie vorstellen und hier vor allem die Motive und Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen fokussieren.
Matthias: Mit Blick auf den internationalen Business Travel möchten wir u. a. die wichtigsten Quellmärkte analysieren. Wir wollen Initiativen verbinden, Lücken identifizieren und zusätzliche Transparenz in ein dynamisch wachsendes Themenfeld bringen.
Matthias, Du betonst, dass z. B. Deutschland als Geschäfts- und MICE-Destination, also für Meetings und Kongresse, bereits ideale Voraussetzungen für mehr Bleisure bietet. Inwiefern?
Matthias: Laut dem IPK World Travel Monitor geht jede zehnte beruflich motivierte Reise weltweit nach Deutschland – das sind die meisten weltweit, danach folgen die USA und China. Von diesem jeden Zehnten würden wiederum starke 34 Prozent eine Bleisure-Reise unternehmen, womit Deutschland auf Platz 3 hinter den USA und Mexiko steht. Wir sehen hier viele Gründe: Neben dem hohen Geschäftsreiseaufkommen zählt dazu das breite Reise- und Kultur-Portfolio in Deutschland und die Möglichkeit, schnell von A nach B zu kommen. Zugleich sehen wir die unterschiedlichen Bleisure-Affinitäten der Nationen, allen voran bei den US-Amerikanern mit 60 Prozent und bei den Schweizern mit 55 Prozent – darauf können wir alle gezielt eingehen.
Jens, gleichwohl hat die VDR-Geschäftsreiseanalyse 2025 gezeigt, dass sich bereits 55 Prozent der Unternehmen aktuell mit Blended-Travel-Konzepten beschäftigen, aber einige auch eine ambivalente Haltung mitbringen, sichtbar in widersprüchlichen Reiserichtlinien. Inwiefern?
Jens: Ja, es gibt, wie gesagt, auch Kritiker des Trends, die unterschiedliche Wahrnehmungen haben – oft, weil rechtliche und organisatorische Fragen bislang nicht abschließend geklärt sind. Und Dienstleister wie Geschäftsreisebüros spiegeln uns zurück, dass das Thema bei ihnen in der Nachfrage nicht ankommt. Wir glauben, dass bisher zu viele Fragen unbeantwortet geblieben sind, vor allem rechtlich. Wenn wir hier Antworten liefern, kann das Thema stärker messbar und standardisiert werden.
Vielen Dank für den Austausch!
Fotos: GCB, VDR